Wie sich Mobbing anfühlt

So gut wie jeder weiß, dass man andere nicht mobben soll. Alleine unser Blog hat einige Artikel über Mobbing veröffentlicht, und in der Schule wird ständig davon geredet. 
Aber wie ist es, der andere zu sein?


Ich stehe vor dem Spiegel auf der Schultoilette und versuche ungefähr ein dutzend Kletten aus meinen Haaren zu pulen. Sie bleiben stecken, fasern auseinander und wollen einfach nicht aus den Locken kommen. Es ist nicht das erste Mal. 


Ich komme vom Schulhof zurück ins Gebäude und mein Ranzen ist nicht mehr da, wo ich ihn hingestellt habe. Nach einem panischen Blick durch den Gang finde ich ihn auf einer Spindreihe, wo irgendjemand, der größer ist als ich, ihn hingeworfen hat. 


Ich bin stolz, meinen Freunden meine neuen Stifte  zu zeigen, die ich gerade erst gekauft habe. Ein Mädchen mit dem ich gar nichts zu tun habe, behauptet, ich habe sie von ihrer Freundin gestohlen. Niemand sagt etwas, auch wenn viele wissen, dass es nicht stimmt. 


Nach dem Unterricht nennt mich ein Junge, den ich kaum kenne, "geistig behindert". Wie mir so oft gesagt wurde, gehe ich zu meinen Klassenlehrern und sage ihnen Bescheid. 
Meine Lehrerin nimmt den Jungen beiseite und sagt ihm, er solle darüber nachdenken, was er sagt. 
Am nächsten Tag nennen mich alle geistig behindert, er hat es weitererzählt. 
Ich fühle mich in der Schule nicht mehr wohl, ich sage, ich hätte Bauchschmerzen, um nicht in den Unterricht zu müssen. Ich weine im Unterricht oft.
Meine Lehrer versprechen weiterhin, dass es aufhören wird, dass niemand mich mehr ärgern wird oder sich über mich lustig machen, weil ich mir nicht die neusten Anziehsachen kaufen kann, weil ich von Natur aus fettige Haare habe, weil ich dick bin, weil ich mehr Sprachen spreche als sie, oder weil ich einfach existiere. 


"Wo wohnst du?" fragt mich ein Junge aus meiner Klasse ganz freundlich, als wäre überhaupt nichts. Sobald ich es ihm sage, fängt er an sich darüber lustig zu machen, dass ich aus einer ärmeren Wohngegend kommen. 
Ich bin jetzt abweisend, beantworte keine Fragen ohne sicher zu sein, dass ich nicht wieder zum Ziel von Gespött werde. 
Meine Noten sind seit Wochen schlechter geworden und beim nächsten Elternsprechtag sagt meine Mutter, dass es nicht meine Schuld ist, weil ich in der Schule gemobbt werde. 
Meine Lehrer sagen, dass es keine Entschuldigung ist. 

Auch heute noch machen sich Leute über mich lustig, weil ich anders bin, ich denke, es hört nie ganz auf. Ich bin nur besser darin geworden, es zu ignorieren.


Ein anonymer Artikel